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Leitfaden
14 Min.
19. Februar 2026

Gebäudesicherung für Unternehmen: Der vollständige Leitfaden 2026

Gebäudesicherung ist mehr als Schlösser und Kameras. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie mechanischen Schutz, elektronische Überwachung und organisatorische Maßnahmen zu einem lückenlosen Sicherheitskonzept verbinden.

Gebäudesicherung: Ein systematischer Ansatz

Die Sicherung eines Unternehmensgebäudes ist eine komplexe Aufgabe, die weit über die Installation einzelner Komponenten hinausgeht. Ein wirksames Sicherheitskonzept berücksichtigt vier Schutzebenen, die ineinandergreifen und sich gegenseitig verstärken.

Die vier Schutzebenen

### Ebene 1: Perimeterschutz

Der Perimeterschutz bildet die äußerste Verteidigungslinie. Er beginnt am Grundstücksrand und soll unbefugtes Betreten des Geländes verhindern oder zumindest frühzeitig erkennen.

Mechanische Maßnahmen:

  • Zaunanlage mit Übersteigschutz (Mindesthöhe 2,40 m für Gewerbeobjekte)
  • Drehkreuze und Schranken an Fahrzeugzufahrten
  • Poller und Barrieren gegen Ramm-Angriffe
  • Beleuchtung des Geländeumfelds (mindestens 50 Lux in kritischen Bereichen)

Elektronische Maßnahmen:

  • Zaun-Detektionssysteme (Erschütterungssensoren, Durchbruchmelder)
  • Infrarot-Lichtschranken an Zugangspunkten
  • Radar- und LiDAR-Sensoren für großflächige Überwachung
  • Videoüberwachung mit KI-gestützter Analyse

### Ebene 2: Fassadensicherung

Die Gebäudehülle ist die zweite Barriere. Hier geht es darum, das Eindringen in das Gebäude zu verhindern oder maximal zu verzögern.

Türen: Einbruchhemmende Türen nach DIN EN 1627 bieten definierten Widerstand. Für Gewerbeobjekte empfehlen wir mindestens Widerstandsklasse RC 3 (Widerstandszeit 5 Minuten gegen erfahrene Täter mit Hebelwerkzeug).

Fenster: Einbruchhemmende Verglasung nach DIN EN 356 in Kombination mit verstärkten Rahmen. Für Erdgeschoss und leicht zugängliche Fenster ist P6B-Verglasung (durchbruchhemmend) der Mindeststandard.

Rollläden und Gitter: Zusätzlicher mechanischer Schutz für besonders gefährdete Bereiche wie Lagerzugänge oder Serverräume.

### Ebene 3: Elektronische Überwachung

Die dritte Ebene umfasst alle elektronischen Systeme, die Eindringlinge detektieren, alarmieren und dokumentieren.

Einbruchmeldeanlage (EMA): Bewegungsmelder, Öffnungsmelder und Glasbruchmelder überwachen das Gebäudeinnere. Die Anlage wird auf eine VdS-zertifizierte Leitstelle aufgeschaltet.

Videoüberwachung: Kameras an allen Zugängen, in Lagerbereichen und an kritischen Punkten. KI-gestützte Analyse erkennt verdächtiges Verhalten in Echtzeit.

Zutrittskontrolle: Elektronische Systeme regeln, wer wann welche Bereiche betreten darf. Chipkarten, biometrische Verfahren oder PIN-Codes ersetzen mechanische Schlüssel.

### Ebene 4: Organisatorische Maßnahmen

Technik allein reicht nicht. Organisatorische Maßnahmen stellen sicher, dass die technischen Systeme richtig genutzt werden.

Schlüsselmanagement: Wer hat Zugang zu welchen Bereichen? Wie werden Schlüssel ausgegeben und zurückgenommen? Elektronische Zutrittskontrolle löst viele dieser Probleme automatisch.

Notfallpläne: Dokumentierte Abläufe für Einbruch, Brand, Stromausfall und andere Szenarien. Regelmäßige Übungen stellen sicher, dass alle Mitarbeiter wissen, was zu tun ist.

Schulungen: Mitarbeiter sind oft die größte Schwachstelle – offene Türen, geteilte Zugangscodes, Social Engineering. Regelmäßige Sensibilisierung reduziert diese Risiken.

Kostenübersicht nach Objektgröße

MaßnahmeKlein (< 2.000 m²)Mittel (2.000–10.000 m²)Groß (> 10.000 m²)
Perimeterschutz5.000 – 15.000 €15.000 – 50.000 €50.000 – 200.000 €
Fassadensicherung3.000 – 10.000 €10.000 – 30.000 €30.000 – 100.000 €
Elektronische Überwachung8.000 – 20.000 €20.000 – 60.000 €60.000 – 200.000 €
Zutrittskontrolle3.000 – 8.000 €8.000 – 25.000 €25.000 – 80.000 €
Organisatorische Maßnahmen2.000 – 5.000 €5.000 – 15.000 €15.000 – 40.000 €

Hinweis: Diese Werte sind Richtwerte. Die tatsächlichen Kosten hängen von der Risikoanalyse, den Versicherungsanforderungen und den baulichen Gegebenheiten ab.

Priorisierung: Wo anfangen?

Nicht jedes Unternehmen kann alle Maßnahmen gleichzeitig umsetzen. Die richtige Priorisierung basiert auf der Risikoanalyse:

Sofortmaßnahmen (Woche 1–2):

  1. Einbruchmeldeanlage mit Leitstellenaufschaltung
  2. Beleuchtung aller Zugangsbereiche
  3. Schlüsselmanagement überprüfen

Kurzfristige Maßnahmen (Monat 1–3):

  1. Videoüberwachung an kritischen Punkten
  2. Einbruchhemmende Türen für Hauptzugänge
  3. Zutrittskontrolle für sensible Bereiche

Mittelfristige Maßnahmen (Monat 3–12):

  1. Perimeterschutz mit Detektion
  2. Fassadensicherung vervollständigen
  3. Notfallpläne erstellen und üben

Checkliste: Gebäudesicherung bewerten

Nutzen Sie diese Checkliste, um den aktuellen Stand Ihrer Gebäudesicherung zu bewerten:

  • [ ] Risikoanalyse wurde von einem Fachgutachter durchgeführt
  • [ ] Sicherheitsgrad nach DIN EN 50131 ist definiert
  • [ ] Einbruchmeldeanlage ist auf Leitstelle aufgeschaltet
  • [ ] Alle Zugänge sind mit einbruchhemmenden Türen gesichert
  • [ ] Videoüberwachung deckt alle kritischen Bereiche ab
  • [ ] Zutrittskontrolle ist für sensible Bereiche eingerichtet
  • [ ] Perimeterschutz mit Detektion ist vorhanden
  • [ ] Wartungsvertrag mit dokumentierten Intervallen besteht
  • [ ] Notfallpläne sind dokumentiert und geübt
  • [ ] Versicherungsanforderungen sind erfüllt und dokumentiert

Fazit

Gebäudesicherung ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Beginnen Sie mit einer professionellen Risikoanalyse, priorisieren Sie die Maßnahmen nach Risiko und Budget, und bauen Sie Ihr Sicherheitskonzept schrittweise aus. Jede einzelne Maßnahme erhöht den Schutz – aber erst das Zusammenspiel aller vier Ebenen ergibt ein lückenloses Sicherheitskonzept.

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