Gebäudesicherung ist mehr als Schlösser und Kameras. Dieser Leitfaden zeigt, wie Sie mechanischen Schutz, elektronische Überwachung und organisatorische Maßnahmen zu einem lückenlosen Sicherheitskonzept verbinden.
Die Sicherung eines Unternehmensgebäudes ist eine komplexe Aufgabe, die weit über die Installation einzelner Komponenten hinausgeht. Ein wirksames Sicherheitskonzept berücksichtigt vier Schutzebenen, die ineinandergreifen und sich gegenseitig verstärken.
### Ebene 1: Perimeterschutz
Der Perimeterschutz bildet die äußerste Verteidigungslinie. Er beginnt am Grundstücksrand und soll unbefugtes Betreten des Geländes verhindern oder zumindest frühzeitig erkennen.
Mechanische Maßnahmen:
Elektronische Maßnahmen:
### Ebene 2: Fassadensicherung
Die Gebäudehülle ist die zweite Barriere. Hier geht es darum, das Eindringen in das Gebäude zu verhindern oder maximal zu verzögern.
Türen: Einbruchhemmende Türen nach DIN EN 1627 bieten definierten Widerstand. Für Gewerbeobjekte empfehlen wir mindestens Widerstandsklasse RC 3 (Widerstandszeit 5 Minuten gegen erfahrene Täter mit Hebelwerkzeug).
Fenster: Einbruchhemmende Verglasung nach DIN EN 356 in Kombination mit verstärkten Rahmen. Für Erdgeschoss und leicht zugängliche Fenster ist P6B-Verglasung (durchbruchhemmend) der Mindeststandard.
Rollläden und Gitter: Zusätzlicher mechanischer Schutz für besonders gefährdete Bereiche wie Lagerzugänge oder Serverräume.
### Ebene 3: Elektronische Überwachung
Die dritte Ebene umfasst alle elektronischen Systeme, die Eindringlinge detektieren, alarmieren und dokumentieren.
Einbruchmeldeanlage (EMA): Bewegungsmelder, Öffnungsmelder und Glasbruchmelder überwachen das Gebäudeinnere. Die Anlage wird auf eine VdS-zertifizierte Leitstelle aufgeschaltet.
Videoüberwachung: Kameras an allen Zugängen, in Lagerbereichen und an kritischen Punkten. KI-gestützte Analyse erkennt verdächtiges Verhalten in Echtzeit.
Zutrittskontrolle: Elektronische Systeme regeln, wer wann welche Bereiche betreten darf. Chipkarten, biometrische Verfahren oder PIN-Codes ersetzen mechanische Schlüssel.
### Ebene 4: Organisatorische Maßnahmen
Technik allein reicht nicht. Organisatorische Maßnahmen stellen sicher, dass die technischen Systeme richtig genutzt werden.
Schlüsselmanagement: Wer hat Zugang zu welchen Bereichen? Wie werden Schlüssel ausgegeben und zurückgenommen? Elektronische Zutrittskontrolle löst viele dieser Probleme automatisch.
Notfallpläne: Dokumentierte Abläufe für Einbruch, Brand, Stromausfall und andere Szenarien. Regelmäßige Übungen stellen sicher, dass alle Mitarbeiter wissen, was zu tun ist.
Schulungen: Mitarbeiter sind oft die größte Schwachstelle – offene Türen, geteilte Zugangscodes, Social Engineering. Regelmäßige Sensibilisierung reduziert diese Risiken.
| Maßnahme | Klein (< 2.000 m²) | Mittel (2.000–10.000 m²) | Groß (> 10.000 m²) |
|---|---|---|---|
| Perimeterschutz | 5.000 – 15.000 € | 15.000 – 50.000 € | 50.000 – 200.000 € |
| Fassadensicherung | 3.000 – 10.000 € | 10.000 – 30.000 € | 30.000 – 100.000 € |
| Elektronische Überwachung | 8.000 – 20.000 € | 20.000 – 60.000 € | 60.000 – 200.000 € |
| Zutrittskontrolle | 3.000 – 8.000 € | 8.000 – 25.000 € | 25.000 – 80.000 € |
| Organisatorische Maßnahmen | 2.000 – 5.000 € | 5.000 – 15.000 € | 15.000 – 40.000 € |
Hinweis: Diese Werte sind Richtwerte. Die tatsächlichen Kosten hängen von der Risikoanalyse, den Versicherungsanforderungen und den baulichen Gegebenheiten ab.
Nicht jedes Unternehmen kann alle Maßnahmen gleichzeitig umsetzen. Die richtige Priorisierung basiert auf der Risikoanalyse:
Sofortmaßnahmen (Woche 1–2):
Kurzfristige Maßnahmen (Monat 1–3):
Mittelfristige Maßnahmen (Monat 3–12):
Nutzen Sie diese Checkliste, um den aktuellen Stand Ihrer Gebäudesicherung zu bewerten:
Gebäudesicherung ist kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess. Beginnen Sie mit einer professionellen Risikoanalyse, priorisieren Sie die Maßnahmen nach Risiko und Budget, und bauen Sie Ihr Sicherheitskonzept schrittweise aus. Jede einzelne Maßnahme erhöht den Schutz – aber erst das Zusammenspiel aller vier Ebenen ergibt ein lückenloses Sicherheitskonzept.
Die DIN EN 50131 definiert die Anforderungen an Einbruch- und Überfallmeldeanlagen in vier Sicherheitsgraden. Für gewerbliche Objekte ist die Einhaltung dieser Norm nicht nur eine Frage der Compliance, sondern oft Voraussetzung für Versicherungsschutz.
Regelmäßige Wartung ist keine optionale Zusatzleistung – sie ist die Grundlage für die Betriebsbereitschaft Ihrer Sicherheitsanlage. Ohne dokumentierte Wartung riskieren Sie nicht nur Systemausfälle, sondern auch Ihren Versicherungsschutz.
Fehlalarme sind der größte Feind jedes Sicherheitssystems. Sie kosten Geld, binden Ressourcen und führen dazu, dass echte Alarme nicht mehr ernst genommen werden. KI-gestützte Videoanalyse löst dieses Problem grundlegend.
Welche Alarmanlage ist die richtige für Ihr Gewerbeobjekt? Dieser Leitfaden vergleicht Technologien, erklärt Sicherheitsgrade und zeigt, mit welchen Kosten Sie rechnen müssen – praxisnah und herstellerunabhängig.